Deutsche in Novosibirsk
Home   Home   Impressum   Newsgroup
Deutsche in Novosibirsk
 

Was mir an Russland gefällt (Ян Помощник)

Teil 1: Маршрутка

Als ich neu war in Novosibirsk, wartete ich meist lange auf meine Marschrutka nach Akademgorodok und dachte: "Marschrutkafahren gefällt mir. Ist irgendwie toll." Dann kam die Marschrutka, und alle drängten hinein. Nur ich kriegte keinen Platz. Ich stand weiter am речной вокзал und dachte: "Warum gefällt mir das eigentlich? Ich kriege ja eh keinen Platz." Ich bekam noch viele Gelegenheiten zum Nachdenken. Heute jedoch bin ich oft als Erster in der Marschrutka. Darauf bin ich sehr stolz. Und heute weiß ich auch, was mir an den Marschrutki gefällt.

Alle Ausländer - und die krankhaft disziplinierten Deutschen ganz besonders - beeindruckt am öffentlichen Verkehr Russlands, dass alle Passagiere gleichzeitig ein- und aussteigen. Am wildesten und schönsten funktioniert das in Moskau. Beispiel: Ein Trolleybus fährt eine Haltestelle an, im Bus stehen viele Menschen, draußen auch. "Die Türen öffnen sich und ein schwer überschaubares, zwanzigsekündiges Chaos voller Gerüche und Körperkontakte entsteht, dann schließen sich die Türen wieder. Wieder stehen draußen und drinnen Menschen, viele sogar dort, wo sie vor zwanzig Sekunden stehen wollten. Aber längst nicht alle. Dass eine Marschrutka viel weniger Plätze als ein Trolleybus hat, verschärft die Situation gefährlich. *

Mir gefallen aber gerade diese kleinen Momente alltäglicher Anarchie. Mir gefällt, dass alle gleichzeitig in die Marschrutka einsteigen wollen, dass die neurotische Begeisterung für Ordnung und Disziplin mindestens 5000 Kilometer weit weg ist. Mir gefällt, dass die Marschrutka überall hält, wo die Passagiere es möchten, mir gefällt, dass der Fahrer unterwegs tankt, mir gefällt, dass er wahnsinnig schnell fährt und den Wagen bei Glatteis durch die Kurven schlingern lässt, mir gefallen sogar die beiden Riesen, die immer (!) links und rechts neben mir sitzen und ihre Taschen auf meinen Knien abstellen. Manchmal weckt ein anderes Auto (der weiße Wolga zum Beispiel, der gerade so frech überholt hat) den Zorn unseres Fahrers. Dann wird er wütend und versucht, den Wolga einzuholen, um ihn zu beschimpfen. Das ist lustig. Die anderen Passagiere finden es nicht so lustig wie ich, aber sie finden es auch nicht schlimm - sie interessieren sich einfach nicht besonders dafür. Solange der Fahrer nicht zu langsam fährt, kann er machen, was er will.

Und die Marschrutka fährt eben nie langsam. Sie fährt, so schnell es geht, von Punkt A nach Punkt B. Dort wollen die Passagiere hin und dort will auch der Marschrutka-Fahrer hin, da warten nämlich seine Kumpels, die anderen Fahrer, auf ihn und mit denen will er rauchen. Seine Kumpels sind wichtig. Für ihn und für uns. Die helfen ihm und uns, wenn die Marschrutka mal kaputt ist und qualmend am Straßenrand steht. Dann hält ein anderer Fahrer und nimmt uns mit. Da wird nicht viel geredet, das geht wie von selbst: Tür auf - Dawajte! - hopphopp durch den Schnee und rein in die andere Marschrutka - Tür zu - und weiter geht's! Das ist Klasse.

Gepäck sollte man allerdings nicht mitnehmen, es ist kein Platz dafür. Manche nehmen aber doch Gepäck mit, zum Beispiel die beiden Riesen, die immer links und rechts neben mir sitzen. Es ist zwar immer noch kein Platz, aber sie können ihr Gepäck ja auf dem Schoß des Nachbarn abstellen. Vielleicht lernt man so ja auch jemanden Nettes kennen. Zum Beispiel mich oder zum Beispiel Sie, lieber Leser.

Zum Schluss noch einige Ratschläge:
- Achten Sie im Sommer darauf, dass Ihre Nachbarn nicht zu groß und zu dick sind! Es wird zu heiß!
- Achten Sie im Winter darauf, dass Ihre Nachbarn groß und dick sind! Lehnen Sie sich an sie! Sie werden sich warm und geborgen fühlen!
- Wählen Sie im Sommer unbedingt einen Fensterplatz! Es ist kühler und Sie können die Aussicht genießen!
- Wählen Sie im Winter unbedingt keinen Fensterplatz! Es ist zu kalt und durch die vereisten Scheiben sehen Sie sowieso nichts!

Vorhin sagte ich, mittlerweile wäre ich häufig als Erster in der Marschrutka. Das stimmt auch. Es darf nur nicht zu glatt sein. Neulich wollte ich bei -35 Grad zitternd und schlotternd die Tür öffnen und rutschte dabei unter das Auto. Glücklicherweise war meine Hand am Türgriff festgefroren, so dass ich mich hochziehen konnte. Schon nach dem dritten Versuch stand ich wieder. Als ich endlich eingestiegen war, betrachteten mich die übrigen Fahrgäste nachdenklich und überlegten, warum Ausländer wohl immer umfallen: "Wassilij Stepanowitsch, warum fallen Ausländer eigentlich immer um? Ist doch seltsam, oder? Was meinen Sie, Wassilij Stepanowitsch?"

Tja, was meinen eigentlich Sie, Wassilij Stepanowitsch?

* In St. Petersburg machen die Leute leider alles falsch. Da stehen in Leute in einer Schlange, warten auf die Marschrutka und steigen hübsch einer nach dem anderen ein. Das finde ich wirklich blöd. In Novosibirsk ist die Welt glücklicherweise noch in Ordnung.

Teil 2: Киоски

Kioske gibt es natürlich auch in Deutschland. Man kann da Zigaretten oder Zeitschriften kaufen. Ich gebe mal ein Beispiel. Beispiel: Man geht zum Kiosk, weil man zum Beispiel Zigaretten kaufen will. Oder zum Beispiel Zeitschriften. Der Verkäufer sitzt in seinem Kiosk, lächelt glücklich - wahrscheinlich denkt er gerade: "Oh, ein Kunde! Wie schön!" Und sagt: "Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?"
"Guten Tag. Ja, gerne. Bitte Zigaretten oder Zeitschriften."
"Hier, bitte, Zigaretten oder Zeitschriften. Bitte drei Euro."
"Danke. Hier drei Euro. Bitte."
"Danke für die drei Euro. Schönen guten Tag auch."
"Ja, danke."
"Bitte."
"Danke. Und tschüß."
"Tschü-hüß."

Geht also ganz leicht, ist aber auch etwas langweilig. Bisschen affig sogar, unter uns gesagt. Und wer will schon immer Zeitschriften oder Zigaretten kaufen? Vielleicht hat man sogar aufgehört zu rauchen, dann ist alles noch viel schlimmer. Nicht so in Russland. In Russland ist alles besser. An Kiosken kann man alles kaufen außer Waffen und Pinguinen. Es gibt Schokolade, Chips, Bier und Zigaretten. Man bekommt Waldmeisterlimonade und Erdbeersaft (hmmm, lecker, ach nee, doch zu süß, lieber морс). Hunger? Schnell zum Kiosk, Fischkonserven kaufen. Es gibt sogar richtige Fische, kleine tote Fische und kleine tote Kalmare. Wieder lecker. Taschentücher oder - psst! - Kondome? Kein Problem. Sie benötigen Damenbinden? Im Kiosk liegen sie bereit (jetzt müsste man nur noch wissen, was Damenbinde auf Russisch heißt). Der Kiosk bei mir um die Ecke hat bis vor kurzem auch Blumentöpfe verkauft. Wohl ohne Erfolg, jetzt gibt es Kerzen. Spielzeug, Tee oder Kaffee? Есть! Kugelschreiber? Есть! Nagelscheren habe ich gesehen, Klopapier, Schuhcreme und Kleiderbürsten. Gibt es alles, meist 24 Stunden am Tag. Man kriegt fast alles. Man muss nur wissen, wie es geht. Ich gebe noch ein Beispiel. Beispiel:

Nehmen wir an, Sie sind neu in Novosibirsk und Sie haben auf dem Heimweg Lust auf ein Bier. Ein freundlicher Abend, nur fünf Grad unter Null. Das Bier wird nicht sofort in der Flasche gefrieren. Da! Ein Kiosk! Doch es ist keine Verkäuferin zu sehen, der Kiosk hat keine Öffnung. Nach einigen Minuten entdecken Sie ein winziges Türchen in Bauchnabelhöhe. Wieder zwei Minuten später fassen Sie Mut. Sie klopfen. Das Türchen öffnet sich. Sie sind glücklich und warten auf das vertraute: "Guten Tag, kann ich ihnen helfen?" Das Türchen schließt sich wieder. So funktioniert es natürlich nicht. Sie klopfen erneut, das Türchen öffnet sich genervt und ruft: "Чо!?" Lassen Sie sich nicht verunsichern. Nennen Sie schnell eine Biermarke, die Sie aussprechen können. Beugen Sie sich nicht zum Türchen hinunter, das sieht dämlich aus. Stecken Sie nicht den Kopf durch die Öffnung, das gibt hässliche Schnittverletzungen am Kopf. Im Kiosk tut sowieso niemand so, als dächte er: "Oh, wie schön, ein Kunde!" Dort denkt jemand: "Wer etwas kaufen will, soll sich kurz und klar artikulieren. Ich will hier nämlich in Ruhe rauchen. Außerdem kommt sonst kalte Luft in meinen Kiosk." Halten Sie sich daran, dann kriegen Sie auch ihr Bier- sogar weniger kompliziert und schneller als in Deutschland.

Als ich neulich zu meinem Lieblingskiosk ging, es war schon dunkel und niemand auf der Straße, beugte ich mich doch einmal zum Türchen hinunter. Zigarettenqualm und Alkoholdämpfe drangen heraus. Im Kiosk saßen drei junge Frauen und rauchten. Ich brauchte einen Blumentopf, es gab aber nur Kerzen. Die drei Frauen rauchten immer weiter, der ganze Kiosk war schon voll Rauch. Ich nahm meine Kerzen und ging. Als ich mich umdrehte, hatte der Rauch die ganze Luft im Kiosk verdrängt. Der Rauch, leichter als Luft, stieg auf und löste den Kiosk von der Erde. Unsicher taumelte er in der Nacht, stieg schneller auf, flog in eleganter Linie eine Schleife über das Zentrum der Stadt und folgte dem Lauf des Ob nach Norden. Und ich blieb am Boden zurück, sah dem immer kleiner werdenden Kiosk nach, der still davonschwebte und schon weit entfernt wie eine 10-Kopeken-Münze am Nachthimmel glitzerte, und fragte mich: Wohin werden sie wohl fliegen? Was werden sie tun?

Teil 3: ?

Teil 3 ist leider verschollen. Für sachdienliche Hinweise wären wir sehr dankbar!

Teil 4: Поезд

Wenn Sie in Russland mit dem Zug fahren wollen, brauchen Sie drei Dinge: eine Fahrkarte, ein Huhn und Pantoffeln.

Die Fahrkarte brauchen Sie, damit Sie mitfahren dürfen. Das ist genauso wie bei Ihnen zu Hause. Nehmen wir einfach mal an, Sie wollen von Novosibirsk nach Irkutsk. Sie gehen also zum Bahnhof, stellen sich an einem Fahrkartenschalter an und warten. Nachdem Sie ein bisschen gewartet haben, warten Sie einfach noch ein bisschen. Irgendwann sind Sie dann an der Reihe. Sagen Sie, dass Sie eine Karte nach Irkutsk möchten. Nachdem Sie gesagt haben, dass Sie eine Karte nach Irkutsk möchten, sagen Sie noch einmal, dass Sie eine Karte nach Irkutsk möchten. Seien Sie nicht traurig. Die Frau, die die Karten verkauft, macht sich nicht über ihr schlechtes Russisch lustig. Sie kann Sie einfach nicht verstehen, weil sie hinter einer dicken Glasscheibe sitzt und das Mikrophon ihrer Sprechanlage nicht funktioniert. Schreien Sie jetzt, dass Sie eine Fahrkarte nach Irkutsk möchten. Das muss Ihnen nicht peinlich sein, im Gegenteil, alle werden Verständnis haben. Nun können zwei Dinge passieren: Entweder verkauft die Frau Ihnen die Fahrkarte, dann können Sie unter dem Stichwort "Huhn" weiterlesen. Oder sie verkauft sie Ihnen nicht. Verzweifeln Sie nicht, resignieren Sie nicht. Regen Sie sich vor allem nicht auf, das schadet nur Ihrer Gesundheit. Stellen Sie sich lieber am Nachbarschalter an. Da gibt es die Karte - wetten? - dann plötzlich doch. Deutsche neigen nun in solchen Situationen leider dazu, so etwas schrecklich zu finden, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Das ist natürlich völliger Quatsch. Die angemessene Reaktion ist Freude, ja, der Triumph, die Fahrkartenfrau überlistet zu haben. Sehen Sie es mal so, wenn Sie in Deutschland nicht die Fahrkarte kriegen, die Sie haben wollen, können Sie sich an weiteren hundert Schaltern die Beine in den Bauch stehen und werden diese Karte doch nie bekommen. Kein Freiraum für Anarchie, nur Regeln.

Bahnsteig zwischen Novosibirsk und Irkutsk Jetzt schnell zum Zug. Zeigen Sie die Karte, steigen Sie in den Zug, klettern Sie in Ihr Bett. Die oberen Betten sind natürlich besser, weil sie da mehr Platz haben und Ihnen niemand mit seinen Käsefüßen im Bett rumtrampelt. Richten Sie sich gemütlich ein und packen Sie Ihr Essen aus. An dieser Stelle kommt das Huhn ins Spiel. Das Huhn brauchen Sie aus Prestigegründen. Hühnerbesitzer sind die Könige des Zuges, egal ob купе oder плацкарт. Das Huhn muss allerdings gebraten sein. Mit einem lebenden Huhn sind sie natürlich kein König, sondern nur eine extreme Belästigung für die Mitreisenden. Daran aber, was Sie zu essen mitnehmen, sieht man ihre Könnerschaft. Trockenfisch, geräucherte Würste, eingelegte Pilze und Gurken zeugen ebenfalls von hoher Professionalität. Jeder normale Mensch hat außerdem ein ganzes Weißbrot und eine Packung Teebeutel mit. Chinesische Nudelgerichte sind zwar Standard, beeindrucken aber niemanden. Die Sache mit dem Essen ist insgesamt wichtiger als in Deutschland, weil man hier länger unterwegs ist. Bis Irkutsk zum Beispiel zirka 35 Stunden. Weil man länger unterwegs ist, brauchen Sie drittens Pantoffeln.

Тапочки brauchen Sie, weil alle тапочки haben. Und dumm auffallen wollen Sie ja wohl nicht, oder? Es gibt wenige Bilder, die mir so gefallen wie das eines haltenden russischen Zuges. Aus den bis zum Horizont reichenden Waggons steigen Hunderte von Leuten aus, laufen ein wenig auf dem Bahnsteig herum, rauchen, kaufen bei den бабушки etwas zu essen (aber kein Huhn! Das bringen Sie gefälligst selbst mit!), am Kiosk etwas zu rauchen und ein, zwei Flaschen Bier, gucken freundlich und alle, alle, wirklich alle haben Pantoffeln an. Man wohnt eben zusammen. Lustig. Eine ganze Pantoffelarmee. Fast alle Männer tragen außerdem Trainingsanzüge. Die sehen, unter uns gesagt, aber scheiße aus, die müssen Sie meinetwegen nicht anzuziehen.

Nun haben Sie alles, was Sie brauchen. Einiges kriegen Sie auch geschenkt. Von den Mitreisenden bekommen Sie kleine, klare Wässerchen und einige Gespräche. Vielleicht auch eine schon ausgelesene спид инфо, ein merkwürdiges Blatt mit wenig Respekt vor den intellektuellen Fähigkeiten seiner Leser. Vor allem aber kriegen Sie Zeit geschenkt. Viel Zeit sogar. Zeit genug, um zwei oder drei Romane zu lesen. Zeit genug, um nachzudenken und stundenlang aus dem Fenster zu sehen und die vorübergleitende Landschaft zu betrachten.

Irgendwann ist es dann aber auch genug. Irgendwann will man einfach keine Romane mehr lesen. Man will auch nicht mehr nachdenken. Irgendwann fällt einem auf, dass es im Fenster immer das Gleiche zu sehen gibt, nämlich Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken, Birken. Manchmal gibt es auch ein Dorf oder ein Feld. Dann aber sofort wieder Birken. Wenn man nicht gerade wie die Frau, mit der ich mal von Novosibirsk nach Irkutsk gefahren bin, von Tajga bis Zima, immerhin also 1400 Kilometer, benötigt, um ein einziges (!) Rätsel zu lösen, dann bemerkt man irgendwann folgendes: Es ist total langweilig, so lange Zug zu fahren!

Russen haben deshalb auch wenig Verständnis für die deutsche Eisenbahnromantik. Dass jemand, der für das gleiche Geld nach Australien fliegen könnte, freiwillig die ganze Strecke der Transsib abfährt, ist für viele hier unbegreiflich. Ich glaube, keinem Russen fiele es ein, sich sieben Tage in den Zug zu setzen, nur um dann wieder nach Hause zurückzufliegen. Doch natürlich gibt es auch hier eine vernünftige Erklärung. Wenn man in Deutschland auf die Straße rausgeht, steht man schon an der Grenze zu einem Nachbarland. Direkt vor der eigenen Haustür beginnt Dänemark und aus dem Hoffenster sieht man schon die österreichischen und Schweizer Alpen. Deutsche freuen sich in den russischen Zügen darum einfach über die unglaubliche Tatsache, dass sie jetzt schon fünf Tage unterwegs und immer noch im gleichen Land sind. Ein merkwürdiges Vergnügen, kann ja sein, aber versuchen Sie, meine lieben Russen, nachsichtig zu sein, milde und verständnisvoll. Unter uns gesagt, sie haben natürlich Recht: Siebeneinhalb Tage mit dem Zug von Moskau nach Wladiwostok zu fahren, um dann von dort aus nach Deutschland zurückzufliegen, ist tatsächlich ein bisschen debil.

Das gebe ich gerne zu, ich mach so was ja auch nicht.

Teil 5: Язык

Als ich nach Novosibirsk fuhr, sagten mir russische Freunde in Berlin: "Das kann aber kalt werden, weißt Du das?" "Kann schon sein", sagte ich fröhlich, "aber das ist bestimmt interessant." Sie sahen mich sorgenvoll an, etwa so, wie wir ein Kind ansehen, dessen Naivität uns rührt, das wir aber unbedingt beschützen möchten, schüttelten leicht ihre Köpfe und fragten: "Russisch kannst Du aber schon, oder?" "Nö", sagte ich. Da wurden ihre Gesichter hoffnungslos, und sie sahen mich an wie jemandem, dem auf Erden nicht mehr zu helfen ist. "Weißt Du," sagten sie, "Russisch ist sehr schwer."

Das stimmt natürlich nicht. Russisch ist die leichteste Sprache der Welt. In Novosibirsk sprechen schon die kleinsten Kinder Russisch, akzentfrei und fast ohne Fehler. Mir ist das sofort aufgefallen, als ich herkam. Das gab mir Mut. Leider hatte ich vergessen, dass ein vierjähriges russisches Kind schon seit drei Jahren Russisch lernt. Bald zeigte sich, dass ich in Novosibirsk von vorne beginnen musste. Mein Sprachniveau entsprach dem eines Zweijährigen. Plötzlich war ich ein über 30 Jahre altes Riesenbaby. Doch auch ein altes Baby bekommt irgendwann Hunger und muss einkaufen gehen. Dafür braucht man ja eigentlich keine Sprache, sondern nur Geld und einen Zeigefinger. Will man jedoch wie ein normaler Mensch und nicht wie ein Vollidiot wirken, ist es natürlich besser, wenn man auch sagen kann, was man will. Leider ist Russisch aber nicht nur die leichteste, sondern auch eine der schwersten Sprachen der Welt.

Schimpfwoerter in Ulan-Ude Nehmen wir an, Sie haben schon mehrere Tage nichts gegessen und wollen jetzt eine Kartoffel kaufen: "Одна картошка, пожалуйста." Prima, hat geklappt! Wäre aber nicht vielleicht Akkusativ besser gewesen? Also: "Одну картошку, пожалуйста." Eine Kartoffel ist aber eigentlich etwas wenig, oder? "Три картошки, пожалуйста." Halt, aber was werden Sie morgen essen? "Шесть картошек." Ihr Hunger ist jetzt groß, groß sollen auch die Kartoffeln sein: "большая, äh, -шую, nein, ich meine: большей, genauer gesagt: больших." Die Verkäuferin bedient natürlich schon längst den nächsten Kunden. Was lernen wir daraus? Schon früh beginnen im Russischen die Probleme. Um primitiv einkaufen zu können, muss man Nominativ, Akkusativ, Genitiv Singular und Plural in drei Geschlechtern unterscheiden können. Phonetische Probleme gibt es auch. Шесть больших картошек - weich sind ть und ль, das p wird gerollt, -ек wird zu -ик reduziert. Im Deutschen gibt es das alles nicht. Sie stehen verzweifelt auf dem рынок mit dem unaussprechbaren ы. Es ist kalt, ihre Hände sind schon ganz blau - aber синий oder голубой! Warum eigentlich синий oder голубой? Das ist sind doch zwei verschiedene Farben, erklärt man Ihnen, das sehe man doch sofort. Aber zwischen meinen blaugefrorenen Händen und Armen gibt es keinen Unterschied, oder was? Beides руки, oder wie?

So, nun regen Sie sich mal nicht auf. Vielleicht sollten Sie mit Ihren Kartoffeln einfach nach Hause gehen und Russisch lernen. Andere Leute wollen schließlich auch noch einkaufen. Hinter Ihnen steht zum Beispiel Wassilij Stepanowitsch und denkt: Wann ist der denn endlich mal fertig, der kleine дурак! Damit sind wir schon beim nächsten Thema. Es gibt unglaubliche Schimpfwörter im Russischen, viel härter als im Deutschen, und ich bin sehr stolz, einige davon zu kennen. Eines reimt sich zum Beispiel auf дурак, leider lerne ich in Novosibirsk aber nur nette Leute kennen, so dass ich diese tollen Wörter nie benutzen kann. Stattdessen habe ich mir angewöhnt, sie morgens unter der Dusche zu singen. Russisch kann hart sein, aber es kann auch sehr weich klingen, zärtlich und sanft. Ёжик, пепельница, малышка - was sind das für freundliche, liebevolle Wörter!

Mit sechs Kartoffeln in der Tüte verlassen Sie den Markt. Die Marschrutka kommt gerade, она подъезжает, nun ist sie da und Sie denken: Die Marschrutka ist gekommen, das heißt dann она поехала, doch während die Kartoffeln und Sie noch an der Haltestelle stehen, ist die Marschrutka schon längst wieder gefahren, она уехала und jetzt едет sie gerade duch Novosibirsk (oder ездит, wenn sie immer hin und her fährt). Warten wir also auf den Bus, da kommt er schon, Busse und Straßenbahnen fahren aber nicht, sondern gehen: они подходят к остановке. Viele schöne Verben, die Sie alle lernen dürfen. Russen sind überhaupt großzügig, deshalb machen Sie den Russischlernenden Geschenke. Die meisten Verben gibt es gleich doppelt - es ist zum Wahnsinnigwerden: Я схожу с ума. Oder sind Sie schon längst wahnsinnig geworden? Dann müssen Sie sagen: я сошёл с ума.

Aber wie ich schon sagte, Sie sollten sich nicht aufregen. Kommen Sie lieber mit, ich koche uns was. Es gibt Kartoffeln.

Teil 6: Рынок

Novosibirsk, haben Sie vielleicht gehört, sei keine besonders schöne Stadt. Aber Sie glauben ja auch sonst nicht alles. Rom hat möglicherweise ein bisschen mehr Tradition, Singapur höhere Häuser und Beijing mehr chinesische Restaurants, aber Novosibirsk ist auch ganz toll. Wir haben hier einen sehr schönen Zoo mit immerhin drei der vier sympathischsten Tierarten, die es gibt: Fischotter zum Beispiel, aber auch Wölfe und Esel. Demnächst ziehen sicher auch noch Pinguine ein und dann ist das Quartett der vier sympathischsten Tierarten komplett. Nach dem Zoobesuch können Sie zum Ob hinunter laufen und mit einem Getränk oder einer freundlichen Person ihrer Wahl auf einer Bank Platz nehmen. Allerdings sollten Sie sich keinesfalls auf die Bank selbst setzen. Mal ehrlich: Wie sieht das denn aus? Wer nicht dumm auffallen will, sitzt auf der Lehne der Bank und stellt die Füße auf der Sitzfläche ab. So macht man das, keine Diskussionen. Zum Frühlingsanfang treiben noch Eisbrocken im Fluss und sogar im Mai, wenn die Ufer über Nacht grün geworden sind und die aufblühende sibirische Natur sich selbst feiert, gibt Ihnen der Ob, inmitten eines Abends voller Sonne und Sommerkleider, eine Ahnung des eisigen Meeres, in das er mündet und von dem im September langsam die Kälte in die Stadt zurückfließen wird. Das ist ein romantischer Gedanke und, wie gesagt, alles ganz toll. Punkt.

Die Sache mit den chinesischen Restaurants stimmt allerdings. In Beijing gibt es wirklich viel mehr davon. Doch für die, die gerne kochen und essen, habe ich einen Tipp. Das Paradies ist nahe - der центральный рынок. Das ist der bunteste und farbenfrohste Ort der Stadt. Ein Potpourri aus Gurkengrün, Tomatenrot und Zitronengelb. Bleiben wir mal beim Grün, denn Grün ist nicht gleich Grün. Grün ist Dillgrün, Koriandergrün, Petersiliengrün, Apfelgrün, Birnengrün, Wassermelonengrün und Salatgrün; grün sind manchmal die Schürzen der Verkäuferinnen und grün ist der Eimer, in dem die Babuschka vor mir ihre 50 Eier nach Hause trägt (ich kaufe nur zehn Eier, das findet die Eierfrau natürlich völlig lächerlich). Grün ist leider auch das kleine Kaninchen, das ich in Kräuter und Rotwein einlegen wollte und das offenbar doch schon etwas länger tot ist. Grün ist aber auch die Hoffnung. Und tatsächlich liegt schon am nächsten Stand ein knackiges, rosa Kaninchen, das wegen der Hitze seinen Pelz zu Hause gelassen hat. Es trägt nur noch ein Paar Fellschühchen. damit es sich nicht erkältet. Das nehme ich mit, das ist das Richtige! Lustig gucken die kleinen, weichen Pfoten aus meiner Tüte. Ich streichle sie kurz und bin ein bisschen stolz. Doch nichts lässt sich mit dem Gefühl vergleichen, das ich empfand, als ich im Winter meinen ersten sibirischen Zander vom Markt nach Hause trug. Nachdem ich der Fischfrau Karpfen, Karrhauschen und минтай (keine Ahnung, wie die auf Deutsch heißen) abgekauft hatte, wollte ich auch noch einen der 50 steifgefrorenen Zander haben, die sie zu einem kleinen Zanderberg aufgestapelt hatte. Der Fischkopf ragte wie ein Kaninchen aus der Tüte und schlug beim Gehen leicht an meinen Arm (ungefähr so: су-дак, су-дак, су-дак). Ein merkwürdiges Glück erfüllte mich. Ich fühlte eine tiefe Zuneigung, fast wie zu einem Freund, einem Freund allerdings, der schuppig war und kalt. Außerdem pflege ich meine Freunde sonst nicht im Ofen zu braten, aber das ist alles nicht so wichtig. Seit jenem Tag freut sich die Fischfrau immer, wenn sie mich sieht. Mir hat übrigens mal jemand erzählt, die Verkäuferinnen hätten, weil es keine 20 Toiletten auf dem Markt gäbe, alle Windeln an. Solchen Quatsch glaube ich selbstverständlich nicht, das kann man anderen Ausländern erzählen, nicht mir. Meine Fischfrau macht das jedenfalls nicht. Man soll, wie gesagt, nicht alles glauben, und man soll nicht verallgemeinern. Als ich zum Beispiel das erste Mal in Novosibirsk im Kino war, kam eine halbe Stunde nach Filmbeginn der Kartenverkäufer hereingetrampelt, nahm meine Karte, verschwand mit ihr und kam nie wieder zurück. Wäre ich nicht in russischer Begleitung gewesen, hätte ich wohl gedacht, das mache man hier immer so. Das stimmt aber nicht. Jetzt zurück auf den Markt.

Kennen Sie die folgende Situation? Man sucht ein Wort, aber es fällt einem nicht ein, zum Beispiel „Opazität". Dann hat man es endlich und freut sich über diesen kostbaren Besitz. Doch nur kurze Zeit später hört man es plötzlich überall, und es scheint einem nun ganz gewöhnlich. Im Ausland sucht man oft nach Wörtern, aber auch nach Dingen. Ich wollte zum Beispiel einmal eine Klobürste kaufen, fand aber keine. Ich suchte wirklich tagelang, dann sah ich eine auf dem Markt, kaufte sie und trug sie triumphierend nach Hause. Doch am nächsten Tag war die ganze Stadt voller Klobürsten, es gab sie überall, in Geschäften und Supermärkten, bei meinem Lieblingskiosk wahrscheinlich auch. Auf dem Markt gefallen mir aber nicht nur die Klobürsten. Am meisten gefallen mir die toten Tiere: Fische, Hühner, Enten und Puten. Am spannendsten finde ich die Schweineköpfe, die mich und all die anderen Marktbesucher anlachen und mir zuzurufen scheinen: "Nimm mich mit, nimm mich mit!" Leider weiß ich nicht, was man mit Schweineköpfen macht. Aber sobald ich es herausgefunden habe, wird mich einer nach Hause begleiten. Das habe ich mir fest vorgenommen. Sie denken vielleicht: "Igitt, ein Schweinekopf!" Ich aber denke: "Ein Schweinekopf, das ist ja interessant." Denn wie die Chinesen esse ich eigentlich alles, was vier Beine hat - außer einem Tisch. Weitere Ausnahmen, Sie wissen ja schon warum, sind Wölfe, Fischotter und Esel. Ach ja, und Pinguine natürlich auch. Genug für heute, ich muss los. "Auf den Markt?" Ja, auf den Markt. Hier in Novosibirsk ist der nämlich besonders schön.

Teil 7: Aberglaube

Manchmal erinnert man sich an etwas, was es vielleicht nie gab. Ich erinnere mich zum Beispiel an folgendes Zitat eines amerikanischen Schriftstellers, aber möglicherweise habe ich es mir auch nur ausgedacht: "Vor 30 Jahren sah ich an der Reling eines vorüberfahrenden Mississippidampfers ein Mädchen stehen. Sie trug ein weißes Kleid. Während dieser 30 Jahre ist kein Monat vergangen, in dem ich nicht an sie gedacht hätte."

GlücksfahrscheinSchöne Geschichte, schön kurz vor allem. Meine eigene Geschichte ist vier Jahre alt und auch kurz. Ich erinnere mich genau: In Sibirien war Herbst und ich fuhr mit dem Bus nach Hause. Mir gegenüber saß eine dunkelhaarige, junge Frau. Ich wollte sie sofort heiraten. Doch sie beachtete mich gar nicht, sondern sah lange und nachdenklich auf ihre Fahrkarte. Sehr lange. Und sehr nachdenklich. Dann steckte sie die Karte in den Mund und aß sie auf. Vier Jahre ist das her. Ich denke nicht mehr jeden Tag daran, doch Bus, Karte und Frau werde ich nie vergessen.

Vier Jahre sind eine lange Zeit: Ich bin älter geworden und klüger. Deshalb weiß ich jetzt, warum die junge Frau die Karte gegessen hat. Bekomme ich heute selbst ein счастливый билет, esse ich es auch. Das bringt Glück und schmeckt gut.

Ich bin klüger geworden und setze mich deshalb vor einer Reise hin und schweige. Ich pfeife nicht in meiner Wohnung. Wenn ich etwas vergessen habe und nach Hause zurückkommen muss, sehe ich in den Spiegel. Auf meinem Tisch stehen keine leeren Flaschen. Wenn mein Messer auf den Boden fällt, bedeutet das, dass ein Mann kommt. Fällt meine Gabel herunter, bedeutet das, dass eine Frau kommt. Fällt mein Löffel herunter, bedeutet das, dass mein Löffel heruntergefallen ist und ich hebe ihn wieder auf. Kommt mir eine Frau mit leeren Eimern entgegen, wechsle ich die Straßenseite, denn diese Frau will mir in ihren leeren Eimern sehr viel Unglück bringen. Sie, lieber Leser, bringen mir hingegen Glück, egal, ob sie einen Eimer dabei haben oder nicht.

Richtig klug bin ich aber doch nicht. Tief in meinem Inneren glaube ich. dass die leeren Eimer leer sind. Die Frau bringt kein Unglück, nur leere Eimer. Doch wahrscheinlich ist das alles gar nicht so wichtig. Manchmal erinnert man sich an etwas, was es nie gab; manchmal glaubt man Dinge, die nicht wahr sind. Es kommt nicht darauf an, ob ein Aberglaube stimmt, sondern darauf, ob er funktioniert. Und er funktioniert hervorragend. Der Aberglaube strukturiert die Welt, so dass wir immer wissen, was wir tun müssen. Er gibt uns Sicherheit und eine Möglichkeit, unsere Sorge für unsere Mitmenschen auszudrücken. Aberglaube macht unser Leben poetischer. Wer fragt da nach Gründen? Wer nach Wahrheit? Es gibt Wichtigeres. Erinnern Sie sich? Ein Mädchen in einem weißen Kleid.

Teil 8: Дежурная

Neulich Nacht flog ich durch den Kosmos und sah auf Sibrien: eine endlose schwarze Fläche. Durch das Dunkel zog sich von Westen nach Osten ein schmales, leuchtendes Band. Das waren die Städte, die die Transsib säumen, der Rest war finster und leer. Sibirien: ein schmaler Streifen Licht in ewiger Nacht. Dunkel, kalt, extrem, menschenleer, geheimnisvoll.

Der skeptische Leser fragt: Stimmt das? Nein, fast alles gelogen. Dunkel ist Sibirien nur nachts, der aktuelle Winter nicht kälter als in Deutschland. Fragt man Leute, wie es Ihnen geht, sagen sie: normalno; egal, was passiert. Sie sagen nie: extremalno. Im Kosmos war ich auch nicht, ich kenne nur ein Satellitenfoto.

Auch menschenleer kann Sibirien nicht sein, ich mache hier ja Dienstreisen. Abends komme ich müde ins Hotel. Die Dezhurnaja sieht ihre Kollegin prophetisch an und schickt mich in Zimmer 1412. In meinem Bett liegt jemand. Ich kehre mit dieser Information zurück. Wieder der Blick zur Kollegin: "Siehst Du – wie ich gesagt habe." Geheimnisvoll, oder?

Geheimnisvoll – das stimmt also; geheimnisvoll sind die Hotels: das Kometa, das Sputnik, das Kosmos. Geheimnisvoller ist die Dezhurnaja. Warum ist das Handtuch im Kometa so klein wie Omsk auf einem Satellitenfoto? Doch warum hält die Dezhurnaja es für groß? Warum gibt es im Sputnik hauchdünne Zimmerschlüssel, die jeder Gast im Schloss abbricht? Alles ungeschickte Leute, meint die Dezhurnaja und bricht die Ersatzschlüssel ab. Im Kosmos hing ich das Schild "Bitte nicht stören" an die Klinke, die Dezhurnaja klopfte und fragte mich, ob das Absicht sei. Geheimnisvoll. Warum gibt es eigentlich eine Dezhurnaja? Am geheimnisvollsten.

Die Erklärung ist leicht. Der Reisende betritt sein Zimmer und denkt: Endlich zu Hause. Das Zimmer ist aber nicht sein Zuhause, es gehört dem Hotel. Die Dezhurnaja erinnert ihn daran. Wenn er abends auf dem Hotelbett liegt und müde Satellitenfotos betrachtet, sitzt sie im Dezhurnajazimmer und entwirft eine extreme Kosmologie: Sibirien ist eine Scheibe, auf der Züge Reisende immer weiter nach Osten befördern, bis sie in ein dunkles, kaltes, menschenleeres Nichts stürzen.

Am nächsten Morgen aber, wenn der Reisende den abgebrochenen Schlüssel abgibt, dann freut sie sich, heißt Larissa Walerjewna und ist eigentlich ganz nett.